Mittwoch, 8. September 2021

Bodensee 2021 - Eurobike und Seeumrundung mit dem Rennrad

Hallo Sportsfreunde,

nach einem Jahr Pause fand dieses Jahr wieder die Eurobike in Friedrichshafen statt. Ihr erinnert euch an meinen Bericht aus dem Jahr 2019, in dem ich bereits zum besten gab, dass diese Messe seit einigen Jahren für mich immer mehr ihren urspünglichen Flair verloren hat und ich mir überlegt hatte, diese "Ausstellung" nicht mehr zu besuchen. Da sich aber in den Wochen vor dem eigentlichen Messetermin einiges verändert hatte und die Eurobike ab 2022 nun nicht mehr im Süden Deutschlands, sondern in Frankfurt stattfinden wird, wollte ich auf alle Fälle noch mal an den Bodensee reisen, um das Kapitel Eurobike Friedrichshafen final abzuschließen. In Verbindung mit diesem Messebesuch wollte ich dann auch noch einen Punkt abhaken, der schon seit langem auf meiner radsportlichen To - Do - Liste steht.

Diesmal war die Messe allerdings der absolute Tiefpunkt aus meiner Sicht. Eine Fahrradmesse, die diesen Namen nicht mehr verdient. Lest in den nachfolgenden Zeilen, warum ich diese Meinung vertrete und wie ich meine erste eintägige Bodenseeumrundung mit dem Rennrad erlebt habe.

Die Planung: 

Bereits im Vorfeld kam immer und immer wieder der Gedanke in mir auf, doch noch mal mit dem Rad nach Friedrichshafen und wieder zurückzufahren, obwohl ich mir nach der harten Nummer im Jahr 2019 fest vorgenommen hatte, es nicht erneut zu machen. Tja, man sollte niemals nie sagen.

Am Ende kam es dann doch ganz anders. Christian, einer meiner Begleiter bei Kraichgau24, hatte mich schon des Öfteren gefragt, ob ich nicht mal Lust hätte, mit ihm zusammen den Bodensee zu umrunden. Er hatte das schon 2 Mal gemacht und wusste auch, dass diese Umrundung ganz groß auf meiner radsportlichen To - Do - Liste steht. Zwar waren es bei ihm keine Komplettumrundungen, aber dennoch war er davon völlig begeistert. Nach einigem Hin - und Herüberlegen hatte ich einen Geistesblitz, wie man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen könnte. Und zwar könnte man doch mit dem Auto anreisen, einige Tage länger am See bleiben und die Messe mit einem Einrolltag sowie einer Seeumrundung mit dem Rennrad kombinieren. Diese Idee kam bei Christian sehr gut an und es hat nicht lange gedauert, bis er zusagte. Also stand unserem Vorhaben, vom 1. bis 4. September runter an den See zu fahren, nichts mehr im Wege. Es gab noch einige organisatorische Dinge zu klären, sprich Christian brauchte Urlaub und wir brauchten noch zwei weitere Übernachtungen, da die Wohnung bei meiner Vermieterin für weitere Übernachtungen nicht mehr frei war. Dies konnten wir aber auch relativ schnell und problemlos eintüten. Christians Urlaub wurde genehmigt und wir hatten bis Samstag trotz Ferienzeit und Eurobike noch eine Unterkunft gefunden. Meersburg wurde unser 2. Übernachtungsort. Der Plan war, mittwochs am 1. September sehr früh anzureisen, auf die Messe zu gehen und in Friedrichshafen zu übernachten. Donnerstags ein bisschen einzurollen, am späten Nachmittag nach Meersburg umzuziehen und dann am Freitag den See zu umrunden. Es sollte eine Komplettumrundung werden. Am Samstag wollten wir nach einem gemütlichen Frühstück wieder nach Hause fahren. Für die 3,5 Tage am Bodensee war auch recht schönes Wetter vorhergesagt, sodass unser Plan sehr wahrscheinlich aufgehen würde. Hätte sich kurzfristig doch noch das Wetter etwas verändert, dann hätten wir unseren Plan B umgesetzt, den wir auch bereits in der Tasche hatten. Dazu kam es aber nicht.

Tag 1 - Die Eurobike 2021:

Der Mittwoch war gekommen und wir machten uns um 4 Uhr morgens auf den Weg Richtung Friedrichshafen. Die Messe öffnete zwar erst um 9 Uhr ihre Tore, aber wir wollten stressfrei reisen, unterwegs noch irgendwo etwas frühstücken und nicht allzu lange im Stau ab Autobahnende bis nach Friedrichshafen stehen. In der Autobahnraststätte Hegau gönnten wir uns dieses Frühstück, verbunden mit einem sensationellen Ausblick.

Nach dem Frühstück fuhren wir weiter in Richtung See. Der Sonnenaufgang an diesem Morgen war ein Traum. Um diese Uhrzeit war es zwar noch ziemlich frisch, aber das änderte sich recht schnell.

Ab Autobahnende bis kurz vor Friedrichshafen waren die Straßen wider Erwarten doch noch recht frei, sodass wir bis auf einige kurz Stop and gos an den markanten Stellen mit Ampeln ganz gut durchkamen. Was wir nicht wussten, war, dass einige Tage zuvor in Friedrichshafen die neue Ortsumgehung der B 31 freigegeben wurde. Somit mussten wir nicht mehr durch die Stadt raus zur Messe fahren, was uns jede Menge Zeit und Nerven ersparte. Wir waren mindestens 45 Minuten früher als geplant an der Messe. Da es im Außenbereich leider nirgends einen Kaffee gab, wir aber einen sehr guten Parkplatz bekommen hatten, machten wir anstatt Kaffee zu trinken einen Spaziergang rund um die Messe, damit sich die Beine schon mal an einen langen Wandertag gewöhnen konnten.

Wieder am Auto angekommen, hatte sich der Parkplatz nun doch gut gefüllt und es bildete sich bereits auch eine Schlange am Messeeingang. Also bewegten wir uns auch Richtung Eingang, um nicht allzulange warten zu müssen.

Pünktlich um 9 Uhr ertönte ein Signal und die Messetore öffneten sich. Wir waren gespannt. Nachdem wir uns bereits die erste Halle angeschaut hatten, keimte schon ein nicht geringes Gefühl der Enttäuschung in uns auf, was mit fortschreitender Zeit immer stärker wurde. Die Messestände waren aufgrund behördlicher Auflagen sehr weitläufig positioniert und deshalb waren alle Hallen nur zur Hälfte genutzt. Bis auf einige wenige waren fast keine bekannten Radmarken vor Ort. Die fernöstlichen Teile- und auch alle bekannten Bekleidungshersteller haben komplett gefehlt. Für mich war es ein Messlein mit Schwerpunkt Cargo. Eine Ausstellung, die wie oben bereits erwähnt, den Namen Fahrradmesse nicht mehr verdient hat. Cargobikes sind nicht grundsätzlich schlecht, sondern durchaus nützlich, aber das ist nicht die Eurobike, wie ich sie kenne und ich sie mir weiterhin wünsche. Es war einfach nur ein Trauerspiel, um es mal auf den Punkt zu bringen. Auch wenn es der Messeveranstalter über seine Pressestelle nach außen hin natürlich völlig anders darstellte und schön redete. Aber das kennt man ja von den Medien und anderen Organen für Öffentlichkeitsarbeit.😉

Ok, es gab auch Highlights, aber die waren sehr dünn gesäht. Ich will mich jetzt nicht weiter über diese mehr als große Enttäuschung auslassen, möchte euch aber dennoch nachfolgend einige meiner persönlichen Highlights zeigen.






Sidi Radschuhe sind leider nix für meine Plattfüße.
Digging in the Dirt.
Für mich das Packtaschensortiment schlechthin für Mehrtagestouren mit dem Gravelbike.




Ein sensationelles Grau.


Die Kiste Bier für echte Männer, also nix für mich. 😂



Schuhwerk vom Feinsten.

Um ca. 14.30 Uhr hatten wir uns alle Hallen und auch die Außenbereiche angeschaut, aber die Erkenntnis, dass diese Messe sehr enttäuschend war, hat sich bis zu diesem Zeitpunkt nicht wieder zum Positiven gewendet. Eigentlich war geplant, bis etwa 18 Uhr auf der Messe zu bleiben, aber wir hatten bereits alles gesehen, was gezeigt wurde. Sich jetzt bis zum offiziellen Ende des Messetages noch mal die Highlights ein 2. Mal anzuschauen, nur um die Zeit totzuschlagen und um dann direkt zum Italiener zum Abendessen zu gehen, war keine Option. Die Messe war für uns vorbei. Also beschlossen wir, im Außenbereich vor dem Haupteingang erst mal etwas zu chillen, dann vom Bodensee Center aus an die Hafenpromenade zu schlendern und dort den Rest des Tages zu verbringen.

Die Beine waren jetzt wieder einigermaßen erholt und wir machten uns nun wie geplant auf den Weg zur Hafenpromenade, um dort ein Eis zu essen und um vor allem den Seeblick zu genießen.


Die Möve Jonathan






Das Eis am See war zwar lecker, aber auch stolz im Preis. In der heutigen Zeit kommt man sich schon ab und zu ziemlich verschaukelt vor, wenn man auf die Preise für gewisse Dinge schaut. 

Der Tisch beim Italiener war auf 18.30 Uhr reserviert, aber nach dem Eis hatten wir noch immer etwa 2 Stunden Zeit. Was tun in dieser Zeit? Wir beschlossen auf einem kleinen Umweg wieder zum Italiener im Bodensee Center zu schlendern, wo wir nach der Messe das Auto abgestellt hatten und zu fragen, ob wir ggf. früher etwas zu essen bekommen. Als wir dort ankamen, war es erst 17.30 Uhr und jetzt schon zu essen, war natürlich völlig problemlos. Nach einem sehr leckeren Salat mit Pizzabrot für mich und einer Lasagne für Christian, machten wir uns auf den Weg zu unserer Unterkunft. Der nächste Tag wurde grob geplant und danach sprangen wir noch kurz in die Nasszelle, bevor jeder seine Ohren in sein Kissen drückte. Somit war dieser 1. Tag am See schon wieder Geschichte. Wir legten an diesem Tag um die 27 Kilometer zu Fuß zurück, waren also trotz Messe indirekt auch noch ein bisschen sportlich😉. Die ca. 3 Kilometer von der Messe zum Bodensee Center sind wir mit dem Auto gefahren, aber dafür sind die 3 Kilometer am frühen Morgen, die wir um die Messe spaziert sind nicht mit aufgezeichnet. Also stimmt die im Gesamten zu Fuß zurückgelegte Strecke wieder.😉


Tag 2 - Einrollen für Tag 3:

Nach einer erholsamen Nacht und mit wieder etwas frischeren Beinen saßen wir am nächsten Tag um ca. 7. 45 Uhr am Frühstückstisch. Nach dem Frühstück kleideten wir uns radsportlich, packten unsere 7 Sachen und bezahlten unser Zimmer. Danach machten wir unsere Räder startklar für einen entspannten Tag auf dem Rad von Friedrichshafen über Lindau nach Bregenz und wieder zurück. Das Auto ließen wir bei unserer Vermieterin in Friedrichshafen stehen, um dann damit von hier aus am späten Nachmittag, sobald wir von der Einrollrunde zurück waren, nach Meersburg zu unserer Unterkunft für die nächsten 2 Nächte zu fahren.

Los ging es. Auch an diesem 2. Tag am See war das Wetter wieder spätsommerlich schön. Zwar erneut etwas frisch am Morgen wie am Tag zuvor, aber so ab dem frühen Nachmittag hatten wir Werte um die 20°. Dennoch fühlte sich diese Temperatur für mich nicht wirklich exakt so an, sodass kurz/kurz weiterhin nicht infrage kam. Ihr wisst ja, Phoxxy ist eine Frostbeule. Wir rollten durch Friedrichshafen, dann direkt am See entlang über Langenargen, Kressbronn und Wasserburg nach Lindau, um dort auf der Insel ein wenig die Sonne und einen Kaffee zu genießen.







Nachdem wir unseren Kaffee genossen hatten, wohnten wir noch kurz einer blumigen Einfraushow bei und rollten dann noch ein Stückchen weiter nach Süden. Die Seebühne in Bregenz wurde unser südlichstes Teilziel an diesem Tag. 

 






Auf unserem Rückweg nach Friedrichshafen, den wir aus der Situation heraus spontan etwas veränderten, genehmigten wir uns noch mal einen Kaffee und etwas Süßes. Ich weiß, was ihr denkt, aber das, was ihr auf meinem Teller seht, sind keine echten, sondern nur Hefewürstchen😉.

Wieder am Auto angekommen, zeigten unsere Navigationsgeräte 84 gefahrene Kilometer und eine Fahrzeit von 4 Stunden an. Die Mission "Einrollen" für den nächsten Tag war also vollumfänglich erfüllt.

Wir luden unsere Räder ins Auto, fuhren nach Meersburg und checkten in unserer neuen Bleibe ein. Da wir dort die Möglichkeit hatten, in einem angrenzenden Fitnessstudio zu trainieren und noch etwas Zeit war, nutzten wir diese Möglichkeit selbstverständlich für eine kurze Trainingseinheit an den Fitnessgeräten.

Nach dieser letzten sportlichen Aktivität am Tag 2 wartete nun die Dusche auf uns. Geschniegelt und gestriegelt kauften wir im nahegelegenen Supermarkt noch etwas Naturjoghurt für das Haferflocken - Powerfrühstück am frühen nächsten Morgen und etwas Schokolade für alle Fälle. Danach machten wir uns auf den Weg zum See, um die Hauptmahlzeit des Tages einzunehmen. Meersburg hat eine wirklich sehr schöne Altstadt. Um an den See zu kommen, mussten wir uns erst mal einige Höhenmeter abwärts bewegen.

 

Die Kalorienspeicher waren jetzt wieder gut gefüllt. Mit einem kleinen Umweg am See entlang, um den Sonnenuntergang noch zu genießen, machten wir uns wieder auf den Weg hoch zu unserer Unterkunft. Die letzten Höhenmeter des Tages schafften wir mit Leichtigkeit. 


Im Zimmer wieder angekommen, gönnten wir uns noch ein schokoladiges Betthupferl und besprachen kurz die wichtigsten organisatorischen Dinge für die Bodenseeumrundung am nächsten Tag, um auch wirklich an alles zu denken. Ein gechillter, aber dennoch erlebnisreicher 2. Tag am See ging zu Ende.

Tag 3 - Die Bodenseeumrundung mit dem Rennrad:

Auch die 2. Nacht war durchaus erholsam, aber aufgrund des geplanten langen Tages deutlich kürzer als die Nacht zuvor. Um 5.15 Uhr vibrierte mein Handy und der Tag begann, zumindest für mich. Christian tat sich noch etwas schwer, den Tag zu begrüßen und kroch eher faultierartig aus seinen Federn. Die letzten Vorbereitungen für das radsportliche Highlight am Wasser in Alpennähe liefen auf Hochtouren. Die Haferflocken, dazu ein Apfel waren im Bauch. Die erste Energiequelle konnte also schon mal wirken, während wir unsere zweite Haut anlegten und die elektronischen Geräte überprüften. Jetzt mussten nur noch die Räder startklar gemacht werden und einige Minuten nach 6.30 Uhr bei frischen 9° begannen wir unser Tagwerk. Dieser 3. Tag sollte wettertechnisch nicht hinter den beiden anderen Tagen bleiben. Es war erneut tolles Spätsommerwetter vorhergesagt. Nicht nur wir, sondern auch meine Handykamera hatte noch etwas Schlaf in den Augen, aber man kann uns dennoch einigermaßen erkennen.😉

Zunächst ging´s wieder bergab zum See. Allerdings fuhren wir auf der Hauptverkehrsstraße nach unten, nicht durch die Altstadt. Am See entlang rollten wir nun auf dem Bodenseeradweg über Hagnau, Immenstaad in Richtung Friedrichshafen. Die gefühlte Temperatur lag jetzt sogar noch einiges unter der Temperatur, die wir beim Start in Meersburg hatten. Der See und das angrenzende Gelände entlang des Radwegs waren zu dieser Zeit noch sehr ruhig und idyllisch. Mit der Zeit kamen uns dann immer mehr Radpendler entgegen, die auf dem Weg zur Arbeit waren.

Friedrichshafen lag hinter uns und so langsam bewegte sich am Horizont nun auch die Sonne nach oben. Sobald wir in der Sonne rollten, merkte man sofort einen Temperaturunterschied. Das war sehr angenehm.

Diesmal fuhren wir allerdings nicht durch Langenargen, sondern nutzen den Radschnellweg etwas weiter außerhalb, der uns direkt nach Kressbronn führte. Über Nonnenhorn und Wasserburg erreichten wir Lindau. Jetzt war die Zeit für festere Nahrung und einen Kaffee gekommen und die nahmen wir uns auch, denn der Haferflockenbrei im Magen löste sich so langsam in Luft auf und verlor immer mehr seine Wirkung. Die Insel in Lindau ließen wir an diesem Tag auch rechts liegen und rollten nach dem 2. Frühstück nun auf dem direkten Weg nach Bregenz. Da wir einen straffen Zeitplan hatten und nicht so viel Zeit verlieren wollten, machten wir ab jetzt überwiegend nur kurze Pausen, hauptsächlich um Fotos zu machen. Das sollte so auch den ganzen Tag über bleiben. Wir hatten in Lindau genügend Kalorien zu uns genommen, sodass wir in nächster Zeit energetisch keine Probleme bekommen sollten. Für Notfälle hatten wir aber noch einige Energieriegel dabei.

Bregenz und somit das kurze Teilstück in Österreich lag hinter uns. Wir überquerten den Rhein und beim Zollamt Höchst dann auch die Grenze von Österreich zur Schweiz. Ab jetzt bis nach Stein am Rhein bewegten wir uns auf eidgenössischem Terrain.

Leider sind auf der schweizerischen Seite des Sees nur sehr wenige Radwege und die sind etwas ungewohnt in ihrem Verlauf. Nicht selten wechselt ein Radweg aus heiterem Himmel auf die andere Straßenseite, was man in dieser Form in Deutschland nicht gewohnt ist. Aber im Großen und Ganzen muss man hauptsächlich auf der Straße fahren. Ok, es gibt am Straßenrand gelb gekennzeichnete Spuren für Radfahrer, aber wie in Deutschland verstehen auch die Autofahrer in der Schweiz nicht, dass man trotz des gekennzeichneten Radstreifens einen gewissen Abstand zum Radfahrer halten muss/sollte. Ich kenne die Verkehrsgesetze der Schweiz nicht, aber ich gehe nicht davon aus, dass Radfahrer mit nur einem halben Meter und weniger überholt werden dürfen. Man muss sagen, wir waren an einem Freitag unterwegs, also unter der Woche und deshalb war vermutlich sehr viel mehr los auf den Straßen als an einem Wochenende. Auch der eine oder andere LKW hat uns ganz schön in Bedrängnis gebracht. Ein Schlüsselerlebnis mit einem Motorradfahrer wird uns sicherlich lange in Erinnerung bleiben. Dieser Motorradfahrer hat uns bei Gegenverkehr mit so geringem Abstand überholt, dass wir beide fast an seinem rechten Außenspiegel hängen geblieben sind. Ich möchte mir nicht vorstellen, was passiert wäre, wenn er uns berührt hätte.

Die eidgenössische Seeseite ist landschaftlich auch klasse und man hat manchmal einen wirklich sehr schönen Blick rüber nach Deutschland. Aufgrund des teilweise hohen Verkehrsaufkommens wollten wir schnellstens in Stein am Rhein sein, um uns wieder sicher auf schwarz-rot-goldenen Radwegen bewegen zu können. Zeit für einige wenige Fotos haben wir uns trotzdem genommen.




Stein am Rhein war erreicht. Sommerlich warm war es zwischenzeitlich auch geworden. Nach einem kurzen Fotostop rollten wir über den Rhein und es dauerte nicht lange, bis wir wieder auf deutschem Boden waren. Die Entspanntheit war zurückgekehrt, denn wir hatten wieder deutlich mehr Radwege zur Verfügung, auf denen wir sicher rollen konnten.





Kurz vor Radolfzell, nach mittlerweile 161 Kilometern war es mal wieder an der Zeit, die Trinkflaschen aufzufüllen. Aber auch der Kaloriennachschub und ein Kaffee sollten bei diesem Pitstop nicht fehlen. Also nahmen wir uns ein Viertelstündchen Zeit, um uns für die letzten 100 Kilometer sicherheitshalber noch mal sehr gut zu versorgen. Zwischen Konstanz und Ludwigshafen lagen nämlich noch einige Höhenmeter vor uns, was uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht so wirklich bewusst war und für die wir ausreichend Energie brauchten.

In Konstanz angekommen, nutzte ich den nächsten kurzen Fotostop, um mein Garmin mit der auf dem Vorbau befestigten Powerbank zu verbinden. Leider leidet das Garmin seit einiger Zeit an beginnender Altersschwäche und verliert deutlich früher seine Energie als in jungen Jahren.

Auf den weiter oben im Text bereits erwähnten Höhenmeter zwischen Kontanz und Ludwigshafen fühlte sich unser radsportliches Klettern nicht mehr ganz so spannend an. Auch wenn das Bergauffahren etwas wehtat, verloren wir nicht den Fokus, Meersburg spätestens um 19.30 Uhr zu erreichen. 

Endlich wurde es wieder flacher. Ab Ludwigshafen konnten wir noch mal etwas auf die Tube drücken. Die Beine waren mittlerweile allerdings nicht mehr ganz so taufrisch für sehr schnelles Fahren und das letzte Teilstück zog sich dann doch mehr als kaugummiähnlich. Mit dem Ziel vor Augen war es aber nicht ganz so heftig. In solchen Situationen spielt auch mentale Stärke eine nicht unwesentliche Rolle. Diese mentale Power hatten wir zum Glück noch.

Es war vollbracht, kurz vor 19.30 Uhr hatten wir Meersburg wieder erreicht. Meine 1. Bodenseekomplettumrundung war in den Büchern. Ein unbeschreibliches Gefühl. 

 

Die letzten Höhenmeter hoch zu unserer Unterkunft sollten jetzt auch noch machbar sein. Allerdings waren die leider wieder ziemlich spaßbefreit, da Radfahrer auf einer Straße nicht gerne gesehen sind. Egoisten auf 4 Rädern verstehen da keinen Spaß. In diesem Leben werde ich es wohl nicht mehr verstehen, warum man im Straßenverkehr nicht gegenseitig aufeinander Rücksicht nehmen kann.

An unserer Unterkunft angekommen, zeigte mein Garmin 251,8 Kilometer, 1268 Höhenmeter sowie eine Fahrzeit von 10 Stunden und 51 Minuten an. Das Tagesziel von Tag 3 war erreicht. Der See war umrundet.😀

Als letzte Aktivität an diesem äußerst spannenden Tag stand nun noch der Gang zur Futterkrippe an, denn die Speicher waren absolut leer. Wir duschten im Schnelldurchgang und schlenderten runter an den See, um uns beim Italiener ordentlich und ohne schlechtes Gewissen wieder Kalorien zuzuführen. Der Gierschlund in mir kam zum Vorschein. Sehr lecker war´s. So lecker, dass ich fast vergessen habe, ein Foto davon zu machen. Auf dem Foto sieht man, dass der Salat schon eingeatmet war. Danach war nur noch Ruhe angesagt. Also ab ins Bettchen.

Nach dieser letzten, wieder etwas längeren Nacht, packten wir das Auto, checkten aus und machten uns noch mal auf den Weg runter zum See, um gemütlich zu frühstücken. Danach ging´s auf die B31 mit dem Ziel Hoffenheim.

Fazit: 

Es war eine sehr schöne Zeit am Bodensee. Fast alles war so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Die beiden Tage auf dem Rad haben mich die enttäuschende Messe wieder vergessen lassen. Abstriche muss man immer machen und was nicht passt, wird eben passend gemacht. Diese Seeumrundung war definitiv nicht meine Letzte. Für 2022 steht sie schon wieder auf meiner Erlebnisliste, allerdings an einem Samstag oder Sonntag, nicht unter der Woche. Christian wird ganz sicher auch wieder dabei sein. 

Kette rechts

Reiner


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