Mittwoch, 11. September 2019

Eurobike 2019 - Die Leitmesse der Fahrradbranche aus meiner Sicht

Hallo Sportsfreunde,

traditionell bin ich seit vielen Jahren immer Anfang September auf der Eurobike in Friedrichshafen am Bodensee. Dort schaue ich mir die neuesten Trends der Fahrradbranche an. Lt. Veranstalter ist die Eurobike immer noch die Leitmesse der Fahrradwelt. Durch die vielen Veränderungen, die es in den letzten Jahren im Zusammenhang mit dieser Expo gab, bezweifle ich das aber mittlerweile. Mag sein, dass ich Unrecht habe, doch durch das Fehlen der namhaften Traditionsmarken im Bereich Fahrräder (Rennräder, MTBs etc.), hat die Messe definitiv nicht mehr den Flair wie am Anfang bzw. wie noch vor einigen Jahren. Leider verschiebt sich das Ganze durch den E-Bike Boom deutlich von einer ehemals sehr sportiven Fahrradmesse zu einer Fachmesse für elektrische Fortbewegungsmittel mit 2 Rädern. Man sieht zwar immer noch Räder ohne E - Unterstützung sowie viele Teile und auch einiges an Bekleidung, aber die Veränderung ist von Jahr zu Jahr deutlich spür- und auch sichtbarer. Der Bereich Bekleidung lässt leider auch immer mehr nach. Wenn das so weitergeht, ist es schon bald nicht mehr meine Messe. Das würde ich allerdings sehr bedauern. Dazu später etwas mehr.


Normalerweise reise ich immer am Messemittwoch irgendwann am frühen Nachmittag an und am Messefreitag so zwischen 14 und 15 Uhr wieder ab. Somit war ich bisher also am Donnerstag und Freitag auf der Messe. Diesmal sollte es aber anders werden. Der Plan war, mein Auto auf dem Hof stehen zu lassen und per Bike zu reisen. Das neue TREK 920 brauchte vor dem Winter schließlich noch seinen 1. Härtetest. Aufgrund des dafür notwendigen höheren Zeitbedarfs musste ich aber mit der Tradition brechen und das Ganze etwas umplanen. Dennoch wollte ich die Reise nicht sehr viel verändern bzw. um mehrere Tage verlängern, ein weiterer Tag sollte ausreichen. Das bedeutete final, ich bräuchte einen Tag für die Hinfahrt, einen Tag für die Rückfahrt und 2 Tage für die Messe. Mir war absolut bewusst, dass die An- und Rückreise per Bike eine ernstzunehmende Herausforderung in jeder Hinsicht werden würde. Mit einem 13 kg schweren Reiserad zuzügl. ca. 7 kg Gepäck hin- und auch wieder zurückzufahren, ist durchaus eine nicht wirklich unsportliche Aktivität ;-). Da ich aber weiß, wie sich 300 Kilometer auf dem Rad anfühlen, hatte ich keine Zweifel, es zu schaffen. Obwohl der Gedanke schon im späten Frühjahr 2019 in meinem Kopf zu reifen begann, habe ich mich bis kurz vorher nie zu 100% festgelegt, es auch tatsächlich zu machen. Wenn ich es aber mache, dann sollte es nach vielen tollen Erlebnissen auf dem Rad in 2019 mein letztes Highlight dieses tollen Jahres auf 2 Rädern werden. Es wäre nicht wirklich vergleichbar mit den anderen radsportlichen Aktivitäten in diesem Jahr, aber genau das war es, was mich reizte, es in dieser Form umzusetzen. Ich fragte also erstmal bei meiner Vermieterin in Friedrichshafen an, ob ich ggf. einen Tag früher an den See kommen kann. Nach anfänglichen Unklarheiten und einigen Zweifeln, ob es auch wirklich klappt, kam in der Tat die Bestätigung, dass ich das Zimmer bereits in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch nutzen kann. Sehr cool, dachte ich mir. Leider war das Wetter noch ein kleiner Unsicherheitsfaktor und deshalb hatte ich von meiner Vermieterin die Option bekommen, es bis zum Wochenende zuvor noch absagen zu können und dann traditionell mit dem Auto anzureisen. Die Prognosen meiner zahlreichen Wetter Apps waren aber nicht so schlecht und wurden sogar von Tag zu Tag besser. Der Dienstag würde sehr sonnig und auch angenehm werden. Der Freitag war noch etwas unsicher, aber es sollte trotz niedrigerer Temperaturen zumindest nicht regnen. Also habe ich am Sonntag zuvor Nägel mit Köpfen gemacht und entschieden, vom Auto auf das Rad umzusteigen.

Montags habe ich meine 7 Sachen gepackt, mein Rad nochmal gecheckt und reisefertig gemacht, am Abend bin ich noch meinen Indoorcyclingkurs bei Pfitzenmeier in Schwetzingen gefahren und am Dienstag früh um kurz nach 6 Uhr saß ich auf dem Rad Richtung Friedrichshafen. Obwohl es an diesem Dienstag warm werden sollte, war es anfänglich noch recht frisch. Kein Problem für mich, denn als Fachmann für Radbekleidung bin ich ja bestens ausgestattet ;-).



Wie ihr auf den oberen beiden Fotos erkennen könnt, war mein Bike doch ziemlich beladen, obwohl ich mich bezüglich des Gepäcks schon sehr eingeschränkt hatte. Gerne wäre ich noch etwas leichter bepackt gewesen, weniger war aber leider nicht möglich. Also Augen zu und durch. In den Anfangsstunden lief es richtig gut und ich ließ es auch rollen. Ca. 18 km vor Vaihingen/Enz machte ich eine 1. kurze Pause, um etwas zu essen. Ich zog jetzt auch meine Windweste sowie Arm- und Knielinge aus, denn es war mittlerweile deutlich wärmer geworden.


Diese und alle anderen Pausen sollten recht kurz bleiben, um nicht zu lange in der Nacht fahren zu müssen. Bei bestem Radwetter ging es nun weiter Richtung Süden. Böblingen lag mittlerweile hinter mir und die Schwäbische Alb unmittelbar vor mir. Kontinuierlich ging es nun in Wellen und auf einigen sehr steilen Abschnitten bergauf. Dies sollte bis etwa Sigmaringen auch so bleiben. Trotz vereinzelter Steigungen war das gute Gefühl stets präsent. Zwischen Vaihingen/Enz und Sigmaringen füllte ich zweimal meine Trinkflaschen auf und aß auch eine Kleinigkeit. Hunger hatte ich nicht wirklich, aber dennoch brauchte ich die Kalorien. Präventiv gönnte ich mir beide Male auch einen halben Liter Cola (ich trinke normalerweise nie Cola), damit mein Zuckerhaushalt ausgeglichen blieb und um keinen Leistungsabfall zu bekommen, denn die Beine waren immer noch sehr gut. Alles verlief weiterhin ganz nach meinen Vorstellungen. Endlich in Sigmaringen angekommen, machte ich dann die letzte Pause. Es wurde langsam dunkel und vor mir lagen noch ca. 60 Kilometer. Bei einem knapp 19-er Schnitt waren das also noch etwas mehr als 3 Stunden bis Friedrichshafen.


Ich zog mich wieder etwas wärmer an, denn die Temperaturen gingen bei untergehender Sonne spürbar zurück. Mit einem kurzen Anruf informierte ich meine Vermieterin, wann ich in etwa ankommen würde, damit sie den Zimmerschlüssel irgendwo versteckt deponieren konnte. So war es möglich, zu jeder Zeit ins Haus zu kommen, falls auf den letzten Kilometern ggf. doch noch irgendetwas Unvorhergesehenes dazwischen kommen würde. Das Garmin sowie meine Muskeln bekamen nochmal etwas Energie und weiter ging es in die Nacht. In der jetzt folgenden Dunkelheit wollte ich mich, sofern möglich, wie tagsüber auf Radwegen bewegen. Bis Pfullendorf war das auch sehr gut möglich, aber dann musste ich doch öfter auf die Straße ausweichen. Auch das war nicht wirklich problematisch, denn so ab 22.30 Uhr waren auf den Nebenstraßen Richtung See nicht mehr sehr viele Autos unterwegs. Ich war gut beleuchtet und somit für jeden Autofahrer nicht zu übersehen. Ab Pfullendorf ging es nun leicht bergab. Da sich meine Beine immer noch gut anfühlten, konnte ich weiterhin mächtig Druck auf die Pedale geben und etwas Zeit herausfahren. Leider waren aber die Temperaturen mittlerweile auf unter 10 Grad gesunken, was für meine Extremitäten langsam grenzwertig wurde. Obwohl ich Handschuhe trug, wurden meine Hände immer unbeweglicher. Da der See aber immer näher kam, versuchte ich, die Kälte dezent zu ignorieren. Mein Wille war sehr stark. Mein Kopf war nur noch auf ANKOMMEN fokussiert, für jeden anderen Gedanken war kein Platz mehr. Irgendwann sah man aus der Ferne die Lichter der Stadt. Cool, Friedrichshafen war nicht mehr weit. Um 0.15 Uhr hatte ich mein Tagesziel endlich erreicht. Ein sensationelles Gefühl baute sich in mir auf. 15 Stunden und 5 Minuten reine Fahrzeit, 284,2 Kilometer und 2354 Höhenmeter lagen hinter mir. Eine warme Dusche und eine letzte kleine Mahlzeit sollten den Tag abschließen. Danach fiel ich erschöpft, aber glücklich ins Bettchen.


Nach einer kurzen Nacht und nicht so wirklich erholt, aber zumindest mit einem leckeren Frühstück im Bauch, machte ich mich am nächsten Morgen um ca. 8.30 Uhr auf den Weg zu Messe. Das Wetter war sensationell. Frühherbstlich warm und Sonne pur. An der Seepromenade entlang schlendernd, konnte ich etwas von der Kraft der Sonne aufnehmen. Das gab mir zumindest am Anfang des Tages etwas Energie, denn meine alten Knochen und Muskeln fühlten sich immer noch seeeeehr müde an. Am Zeppelinmuseum angekommen, setzte ich mich in den Bus, der mich zur Messe brachte.


Der 1. Messetag ist schnell erzählt. Ich habe alle Ausstellungshallen (es waren wie immer nicht wirklich wenige) geschafft, mich aber mehr oder weniger durchgequält. Es gab viel zu sehen, aber so richtig registriert und aufgenommen habe ich wenig. Nach etwa 6 Stunden auf der Messe habe ich mich total erschöpft wieder auf den Weg zur Unterkunft gemacht. So platt und müde war ich schon lange nicht mehr. Also wieder mit dem Bus zum Zeppelinmuseum und am See entlang Richtung Privatpension. Ein leckeres Eis auf der Uferpromenade hat mich kurzzeitig aus meinem Tief herausgeholt, aber das hielt nicht lange an. Nach einer kurzen Dusche ging ich trotz Müdigkeit nochmal raus in die Sonne, denn ich musste ja noch etwas essen. Zu Fuß machte ich mich auf den Weg zum 2 Kilometer entfernten Bodensee Center, um dort bei meinem Lieblingsitaliener, wie jedes Jahr, einen leckeren Salat zu essen. In der Unterkunft wieder angekommen, hat es nicht mehr lange gedauert und ich bin völlig erledigt ins Bett gefallen.

Nach der zweiten, deutlich erholsameren Nacht war ich wie ausgewechselt. Ich fühlte mich zwar noch immer nicht zu 100% fit, aber es war spürbar besser. Die Energie kam langsam zurück und mein Geist war wieder deutlich klarer als am Tag zuvor. Also same procedure as yesterday, kurz frühstücken und zu Fuß sowie per Bus ab zur Messe.




Wie man auf obigen Fotos erkennen kann, hatte sich über Nacht aber das Wetter etwas verändert. Es war spürbar frischer geworden. Auch waren deutlich mehr Wolken am Himmel. Diese Wasserspeicher sollten sich am Nachmittag noch ausdrucksstark ins Tagesgeschehen einbringen.

Der 2. Messetag war sehr viel erkenntnisreicher, da ich deutlich aufnahmefähiger war. Erneut wollte ich alle Hallen erleben, denn am 1. Messetag war ich geistig nicht wirklich in diesen Hallen. Der Körper war zwar anwesend, aber der Geist war irgendwo in einer anderen Welt. Tatsächlich habe ich an diesem 2. Tag Sachen gesehen, an die konnte ich mich nicht mehr erinnern, lach. Der Schwerpunkt an diesem Tag war für mich, was die anwesenden Bekleidungsmarken für 2020 anbieten werden. Das war spannend, aber nicht wirklich spektakulär und bestätigte mir einmal mehr, dass es richtig ist, sich nicht am allgemeinen Trend zu orientieren, sondern seinen eigenen Weg zu gehen. Konservativ kann jeder, aber damit verschwindet man in der Menge. Für mich ist nach wie vor die Sichtbarkeit ein ganz wichtiges Thema. Gerade im Hinblick auf die immer weiter steigende Gefahr auf deutschen Straßen, verursacht durch egoistische und respektlose Autofahrer.

Nachfolgend findet ihr mal zwei Links zu meinem Onlineshop zum Thema Sichtbarkeit. Mit vielen dieser Westen und/oder Jacken bleibt ihr auch in der bevorstehenden dunklen Jahreszeit im Straßenverkehr immer gut erkennbar:

Westen

Jacken

In Sachen Sicherheit und Sichtbarkeit ist mir aber durchaus auch etwas sehr Positives aufgefallen. Immer mehr Hersteller von Radhelmen statten einige ihrer Helmmodelle mit LEDs oder mit sonstigen Leuchten aus. Das finde ich super. Es ist eine tolle Ergänzung zu auffälliger Bekleidung.


Wie ich oben aber bereits erwähnte, wird auch im Hinblick auf Rad- und Triathlonbekleidung die Eurobike für mich von Jahr zu Jahr uninteressanter. Was es durch das Fehlen der bekannten Radmarken an neuen sportiven Fahrrädern zu sehen gab, war eher schmeichelhaft. Aktuell dreht sich fast alles nur noch um E-Mobilität und das ist nicht mehr meine Welt. Selbst vor Rennrädern macht das E keinen Halt mehr. HILFEEEEE.....


Die Industrie macht sich die Natur des Menschen zunutze. Dieser ist eher eine auf Bequemlichkeit fixierte Kreatur. Nur nicht mehr bewegen als notwendig, es könnte ja anstrengend sein. Eine menschliche Eigenschaft, die durch die aktuelle Entwicklung in der Fahrradbranche leider weiter gefördert wird. Das interessiert die Hersteller aber nicht, denn im Vordergrund stehen leider nur finanzielle Interessen.
Radfahren ist für mich Sport und Fortbewegung in einem. Ich brauche und will keinen Akku unterm Hintern. Quasi mit der Couch durch die Gegend zu rollen, ist so ähnlich wie warm duschen. Bloß nicht aus dem Schneckenhaus ausbrechen und Stress vermeiden ;-). Fitness und Gesundheit sind nur durch das Fordern des Körpers erhältlich. Alles andere sind Ausreden, um sich nicht anstrengen zu müssen. Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen. Für Menschen mit körperlicher Einschränkung sind E-Bikes durchaus eine Option, um sich auch in der Natur bewegen zu können. Aber von dieser kleinen Gruppe spreche ich nicht. Mir geht es um die Mehrheit, die meiner Meinung nach immer den Weg des geringsten Widerstands geht. Den Akku - Bike Verfechtern ohne irgendwelche körperlichen Einschränkungen sei gesagt, mit entsprechender Fitness kann man die Natur auch ohne E genießen und sich wohlfühlen ;-). Meiner Meinung nach sogar noch weitaus bewusster. Ein fitter Körper hat einen deutlich klareren Kopf/Geist zur Folge...................Das lass ich jetzt einfach so mal stehen. Ich will durch meine Ansicht zum Thema E niemanden in irgendeiner Form in Frage stellen, es ist nur eine Meinung unter wahrscheinlich vielen. Jeder muss für sich herausfinden, was gut für ihn ist. Aber vielleicht kann ich damit ja ein wenig zum Nachdenken anregen.

Beim Gang durch die Hallen gab es traditionell auch wieder einige Kuriositäten zu bestaunen. Ich lass nachfolgende Fotos einfach mal unkommentiert. Seht selbst und bildet euch eure Meinung.






Am Stand von Delius und Klasing, dem Verlag der Zeitschriften TOUR und BIKE, waren zwei Bikes aus den Anfangszeiten des Mountainbikesports ausgestellt. Das hat mich sofort wieder an meine Zeit als aktiver MTBiker erinnert.



Spannend fand ich auch das ausgestellte Rennrad des ehemaligen italienischen Radprofis Gilberto Simoni, mit dem er 1999 am Radklassiker Paris - Roubaix teilgenommen hat. Man beachte die Federgabel. Damals war das Profimaterial. Heutzutage würden die Radprofis damit noch nicht mal zum Brötchen holen fahren. Es ist einfach unglaublich, was sich bei den Rennrädern in den letzten 20 Jahren verändert hat.


Nach einem kurzen Termin mit meinem italienischen Lieferanten ging dann auch der 2. und für mich letzte Messetag zu Ende. Viel Spannendes habe ich an den beiden Tagen auf der Messe nicht gesehen, dennoch war die diesjährige Eurobike unterm Strich nicht ganz uninteressant. Es gab schon viele Neuheiten, auf die der Messenewsletter im Vorfeld auch immer wieder hingewiesen hat, aber wie oben erwähnt, ist das E für mich kein Thema ;-).

Ich machte mich also wieder zu Fuß und per Shuttlebus auf den Weg zur Unterkunft, denn ich wollte noch ja etwas essen und auch die am Freitag geplante Rückfahrt vorbereiten. Wie weiter oben schon erwähnt, liefen die bereits am Morgen zu sehenden Wolken nun zu ihrer Höchstform auf. Es regnete in Strömen und ich kam leider nicht ganz trocken in meinem Zimmer an. Blöd, aber dennoch nicht zu ändern. Ich hatte jetzt einige Bedenken, dass es am nächsten Tag auch regnen würde, aber ein Blick auf eine meiner Wetter Apps bestätigte diese Bedenken zum Glück nicht. Die Temperatur um die 16 - 18 Grad würde zwar bleiben, aber zum Glück ohne Regen. Nachdem alle Vorbereitungen abgeschlossen waren, legte ich mich sehr früh ins Bett, denn spätestens um 6.30 Uhr am nächsten Morgen wollte ich wieder in Richtung Heimat starten.

Die letzte Nacht war zwar wieder kürzer, aber nicht weniger erholsam. Um 5.15 Uhr am Freitagmorgen klingelte mein Handywecker. Aus dem Bett kriechend hörte ich, wie im Stockwerk über mir meine Vermieterin wie besprochen bereits mein Frühstück vorbereitete. Startklar und in für das Wetter passende (Rad)Schale geworfen, frühstückte ich in strammem Tempo und saß pünktlich um 6.30 Uhr im Sattel. Auf etwas veränderter Strecke rollte ich erstmal auf dem Bodenseeradweg bis Ludwigshafen. Am See entlang zu fahren, wollte ich mir bei Tagesanbruch nicht entgehen lassen, obwohl das meine Heimfahrt um etwa 15 Kilometer verlängern würde. Egal, auf 15 Kilometer mehr oder weniger kam es jetzt auch nicht mehr an. Ich hatte ja keinen Zeitdruck. Das Wetter war wie am Abend zuvor angekündigt, also frisch und mit vielen dunklen Wolken am Himmel, aber trocken :-).



In Ludwigshafen angekommen, lag ein wirklich toller Radweg hinter mir. Hier bin ich definitiv nicht zum letzten Mal mit dem Rad unterwegs gewesen. Man kann ja den ganzen See auf tollen Radwegen umrunden. Das werde ich schnellstens mit auf meine To-Do-Liste aufnehmen und zeitnah in die Tat umsetzen. Auf diesem kurzen Stück gab es sogar spezielle Fahrradstraßen. Ich war völlig begeistert. Wie wird das wohl in den anderen Bereichen am See aussehen? Vermutlich ähnlich oder sogar noch besser. Gehört habe ich schon einiges davon.


Stockach war erreicht und so langsam ging es wieder bergauf in Richtung Schwäbische Alb. Zwar nur leicht und kontinuierlich, aber auf meinem Garmin war die Höhenzunahme immer deutlicher erkennbar. Jetzt war es umgekehrt wie am Dienstag, ich war nahe an der Schwäbischen Alb und musste erstmal Höhenmeter machen. Ich kam trotz stetigem bergauf Fahrens ganz gut voran, brauchte allerdings etwas mehr Zeit dafür. So war zwar nicht ganz der Plan, aber egal. Platt machen wollte ich mich ja nicht, denn die Beine waren immer noch sehr gut und Hoffenheim noch sehr weit weg. Irgendwo inmitten des württembergischen Mittelgebirges lag direkt an einem Radweg eine Bäckerei, die mit leckerem Kuchen lockte. Damit kann man mich durchaus manipulieren und schon standen eine Tasse Kaffee sowie ein Stück Käsekuchen vor mir auf dem Tisch. Gute Entscheidung, sagte ich mir, denn wer "arbeitet" muss auch essen. ;-)


Kurz vor Einbruch der Dunkelheit lag die schwäbische Alb schon einige Zeit hinter mir und ich erreichte Herrenberg. Jetzt waren es etwa noch ca. 90 Kilometer bis Hoffenheim. Also noch etwa 4 - 5 Stunden Fahrt in der Dunkelheit, je nachdem wie ich voran kam. Keine wirklich prickelnde Situation, aber eine Übernachtung kam für mich nicht in Frage. Ich wollte die Zeit, die von der Nacht noch übrig blieb, in meinem eigenen Bettchen verbringen. Also gab es nochmal eine schnelle Cola für weiterhin gute Beine, die Trinkflaschen wurden wieder aufgefüllt, das Garmin wurde zum Aufladen an die Powerbank gehängt und weiter ging es in die Nacht. Nach einer kleinen Irrfahrt im nächtlichen Wald irgendwo zwischen Weil der Stadt und Niefern - Öschelbronn erreichte ich um kurz nach 22 Uhr Mühlacker, die Heimatstadt von Profitriathlet Sebastian Kienle. Knapp 60 Kilometer bis Hoffenheim lagen nun noch vor mir. Ich gönnte mir ein letztes sehr kurzes Päuschen und nahm dann die finalen Kilometer unter die Räder. Leider wurde es von Minute zu Minute immer kälter. Die Temperatur sank teilweise unter 6 Grad. Ich war zwar gut angezogen, aber dennoch nicht winterfest. Somit wurden meine alten Knochen immer müder und die Kälte machte mir mehr und mehr zu schaffen. Meine Hände und Füße konnte ich kaum noch bewegen. Der Wille war stark, dennoch wollten die letzten ca. 20 Kilometer ab Eppingen einfach nicht enden. Unglaublich, wie lange sich eine solch kurze Distanz anfühlen kann. So extrem habe ich es noch nie erlebt. Um 1.15 Uhr hatte ich es aber dann wirklich geschafft und war zu Hause in Hoffenheim angekommen. Obwohl mein Körper tiefgekühlt war, baute sich wieder dieses sensationelle Gefühl wie in der 1. Nacht in mir auf. Ich war einfach nur völlig erleichtert und wahnsinnig glücklich, es endlich geschafft zu haben. Nach der 2. langen Tour mit diesmal fast 16 Stunden, 297,7 Kilometern und 2549 Höhenmetern konnte ich das Projekt Eurobike 2019 per Rad als erfolgreich durchgeführt in meinen Geschichtsbüchern ablegen.


Ein für mich wirklich spannendes und zugleich sehr außergewöhnliches sowie ziemlich verrücktes Projekt, das ich in dieser Form allerdings nicht mehr erleben muss. Einmal reicht definitiv :-) :-) :-).

Kette rechts

Reiner


Kommentare:

  1. Du bist ja so positiv verrückt.aber eine coole Action von dir.
    Der Bericht ist so real geschrieben das man die Fahrt im Geiste richtig miterleben konnte.
    Zur Messe da halte ich es wie du.so lang ich noc gerade aus laufen kann kommt mir kein Motor an Rad, das hat nixmit radfahren zu tun.

    AntwortenLöschen