Mittwoch, 5. August 2020

Pacemakers Sternfahrt 2020 nach Bretten - "Hiroshima und Nagaski mahnen: Beitritt zum UN - Atomwaffenverbot jetzt"

Hallo Sportsfreunde,

wäre das Jahr 2020 bis dato nicht sehr seltsam gewesen, dann hätte am 1. August wieder der alljährliche Pacemakers Radmarathon stattgefunden. Ich hätte euch im Nachgang sicher auch wieder eine spannende Geschichte über mein Erlebtes auf 338 Radkilometern erzählt, denn die 2020-er Friedensschleife sollte eine ganz besondere sein. In diesem Jahr gedenken wir nämlich zum 75. Mal der Toten der beiden Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki. Doch diesmal kann ich euch nachträglich leider doch nicht noch mal mit auf meine radsportliche Reise nehmen. Der Radmarathon in altbewährter Form war aus vielerlei Gründen aufgrund der aktuellen Situation als solcher nicht durchführbar.

Wir vom Organisationsteam und ganz besonders Roland Blach als Hauptverantwortlicher dieser außergewöhnlichen Raddemo hatten sehr lange daran geglaubt, dass alles in gewohnter Form durchführbar ist. Deshalb wurden selbstverständlich auch die Radtrikots bei 3°TRIPUGNA(c) bestellt.





Oftmals kommt es aber anders, als man denkt. Wir wurden eines Besseren belehrt. 😏 Was grundsätzlich von so manchen Entscheidungen, Berichten oder Meinungen auf politischer, medialer und auch gesellschaftlicher Ebene in Bezug auf die situationsbedingten Gegebenheiten im Jahr 2020 zu halten ist, überlasse ich gerne jedem selber. Wie in einigen meiner älteren Berichte bereits erwähnt, bin ich jedenfalls der Meinung, man sollte diesbezüglich seinen gesunden Menschenverstand nutzen und so einiges durchaus kritisch hinterfragen, egal aus welcher Richtung es kommt. Übrigens möchte ich mit solch einer Aussage keineswegs Tatsachen bzw. Fakten infrage stellen. 😉😉

Wie dem auch sei, wir mussten uns an die Bestimmungen halten. Ließen uns aber dennoch nicht unterkriegen. In zahlreichen Telefonkonferenzen haben wir uns die Köpfe zerbrochen, was wir als Alternative anbieten könnten. Eine komplette Absage der Veranstaltung war nämlich aufgrund der großen Bedeutung unserer Friedensbotschaft für keinen im Team ein Thema. Es lagen einige Veranstaltungsformate in der Waagschale. Nach Abwägung aller Fürs und Widers erschien uns eine Sternfahrt ausgehend von vielen verschiedenen Startorten mit dem Ziel Bretten für die sinnvollste und am besten umsetzbare Lösung. Danke an unseren Streckenplaner Thomas Eger für diese sehr gute Idee. Eine kurze Abstimmung innerhalb des Organisationsteams und die Zusage seitens der Stadt Bretten, sich an der Durchführung zu beteiligen und uns sogar zu unterstützen, hat dies dann auch bestätigt.

Die Radsternfahrt "Hiroshima und Nagasaki mahnen: Beitritt zum UN - Atomwaffenverbot jetzt!" war geboren.



In zwei weiteren Telefonkonferenzen haben wir nun die notwendigen Details/Maßnahmen bezüglich der Durchführung festgelegt und ausgearbeitet. Ich hatte mich dazu bereit erklärt, eine Gruppe Radsportler von Neckargemünd auf teilweise vom Radmarathon bekanntem Terrain nach Bretten zu führen. Auch von Mannheim, Kaiserslautern und Landau wurden guidegeführte Touren angeboten. Diese 3 Städte und auch Neckargemünd sind in einem normalen Marathonjahr immer die vier Hauptpausenorte. Es machte also durchaus Sinn, von dort ausgehend offizielle Touren anzubieten, um einen Bezug zur gewohnten Friedensrunde herzustellen. Die Fahrten von einigen weiteren Städten nach Bretten wurden seitens der für den Marathon angemeldeten Teilnehmer mit großer Freude selbst organisiert. Die Wetterfrösche sagten schönes Wetter voraus mit entsprechend sommerlich hohen Temperaturen und Gewitterneigung am späteren Nachmittag. Warm wäre ok, ich hoffte nur, dass wir auf dem Rad nicht gegrillt würden, wie im Jahr 2018 bei um die 37°.

Meine Sternfahrt als Guide ab Neckargemünd nach Bretten:

Um ca. 6.45 Uhr bei noch sehr angenehmer, aber bereits schon etwas schwülfeuchter Temperatur von 16 ° Grad machte ich mich von Hoffenheim aus zusammen mit Andreas, Stefan und Christian auf den Weg nach Neckargemünd.



Mittlerweile schon zu fünft (ein weiterer Radsportler kam währenddessen noch hinzu), trafen wir um ca. 7.30 Uhr am Treffpunkt ein. Dort war bereits alles für den Start vorbereitet und die anderen Mitfahrer kamen auch nach und nach an. Im Gesamten waren wir nun 16 Fahrer. Nach einem kurzen Grußwort durch den stellvertretenden Bürgermeister der Stadt Neckargemünd sowie durch den Landtagsabgeordneten Hermino Katzenstein (auch ein sehr ambitionierter Radsportler und Mitglied des Orgateams) und einer Streckeninformation durch mich, machten wir uns zeitnah in Zweierreihe auf den Weg zur Pacemakerskundgebung nach Bretten. Hermino konnte verletzungsbedingt leider nicht mitrollen, setzte sich aber in den Zug, um selbstverständlich auch in Bretten bei der Kundgebung dabei zu sein.



Die ersten Kilometer führten über Heidelberg und Edingen nach Schwetzingen, wo sich ein weiterer Radfahrer anschloß. Im Vorfeld hatte ich eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 25 - 26 km/h angepeilt, da ich nicht zu 100 % wusste, wie homogen die Gruppe sein würde. Mir war aufgrund fehlender Polizeibegleitung Sicherheit wichtiger als Geschwindigkeit. Ich wusste aber, dass mindestens ein Aktiver dabei sein würde, der im Bereich 30 - 35 km/h, was normalerweise beim Marathon gefahren wird, irgendwann an seine Grenzen kommen könnte. In Ketsch kurz vor dem schnellen Streckenabschnitt am Rhein entlang nach Altlußheim kam noch ein Teilnehmer hinzu. Die Durchschnittsgeschwindigkeit lag seit geraumer Zeit schon einiges über den angepeilten 25 - 26 km/h, denn mittlerweile hatten die mitfahrenden schnellen Jungs vom RSC Wiesloch die Führungsarbeit übernommen. Bei relativ normalem Autoverkehr an einem Samstagmorgen machten sie einen sehr guten Job. Zwar fuhren sie schneller als geplant, aber das wirklich sehr kontrolliert und intelligent. Da das Peloton sehr gut rollte und alle gut mithalten konnten, war es auch nicht wirklich problematisch, dass wir doch etwas zügiger unterwegs waren.


Trotz des relativ normalen Verkehrs wurde dennoch immer wieder klar, wie wichtig beim offiziellen Radmarathon eine absichernde Polizeistaffel ist. Ohne Polizei wäre dieses Mammutradevent nicht annähernd durchführbar. Durch Hupen oder durch Nichteinhalten des Mindestabstands einiger egoistischer AutofahrerInnen wurden wir auf unserer Tour nach Bretten des Öfteren genötigt und auch gefährdet. Für uns als Rennradfahrer nicht wirklich verwunderlich, denn das gehört ja zum Trainingsalltag eines jeden, der sportlich auf dem Rad unterwegs ist. Dennoch nervt dies gewaltig. Die immer irrsinniger werdende Respektlosigkeit der in rollenden Blechdosen sitzenden Egoisten ist für mich ein deutlich schlimmeres Virus, welchem man noch viel dringender Einhalt gebieten müsste, als einem kleinen Etwas, dem derzeit sehr viel mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird. In einem meiner nächsten Posts werde ich mich mal speziell dem Thema Rennradfahrer vs. Autofahrer widmen.

Der Zug rollte und rollte. Er rollte immer noch sehr gut und ohne Ausfallerscheinungen. Die Wieslocher Cracks gaben weiterhin unermüdlich das Tempo vor. Oberhausen - Rheinhausen lag mittlerweile hinter uns und wir näherten uns schon bald der Gemeinde Forst bei Bruchsal, obwohl es zwischenzeitlich ein kleines, aber nicht wirklich schlimmes Missverständnis in Sachen Streckenführung gab.






In Forst angekommen, war es an der Zeit ein Kaffeepäuschen einzulegen. Das fand bei allen großen Anklang.


Durch das etwas höhere Tempo hatten wir zeitlich gesehen noch etwas Luft und konnten die Pause auf 30 Minuten ausdehnen, sodass jeder, der wollte, sich auch tatsächlich etwas zu essen, sowie ein koffeinhaltiges Heißgetränk holen konnte. Diese 30 Minuten waren gerade so ausreichend, denn nahezu 20 Radsportler müssen erst mal versorgt sein und Stress beim Genießen der Zwischenmahlzeit sollte auch nicht aufkommen.

Die Temperaturen waren jetzt im angekündigten Bereich inkl. der leichten Schwüle. Trotz Hitze war es noch einigermaßen erträglich, da wir in Bewegung waren und Fahrtwind hatten. Weiter ging es Richtung Bruchsal/Bretten. Ab Forst rollten wir auf nicht so schlecht ausgebauten Radwegen, denn aufgrund des hohen Autoverkehrs ist man meiner Meinung nach als Radfahrer auf den Bundes- und teilweise auch auf den Landstraßen um Bruchsal und bis Bretten einer Nahtoderfahrung näher, als sicher unterwegs zu sein. Erinnert euch diesbezüglich an meine Ausführungen etwas weiter oben. 



Auf dem Radweg zwischen Bruchsal und Bretten, kurz vor Heidelsheim, trafen wir Hedi, die gute Fee der Pacemakers. Sie hatte sich in Mannheim mit einem Begleiter in den Zug gesetzt. Beide machten sich dann mit ihren friedensbeflaggten Fahrrädern (Hedi mit etwas E-Unterstützung) von Bruchsal aus auf den Weg nach Bretten. Unsere Hedi sitzt während des Marathons und auch bei den Mehrtagestouren immer in einem der Begleitfahrzeuge. Sie versorgt uns dabei bestens mit Verpflegung und manchmal auch mit aufmunternden Worten, falls dies in irgendeiner Form aufgrund eines sportlichen Tiefs mal von Nöten ist. Diesmal war die Gelegenheit für sie aber günstig, um selbst ein Stück mit dem Rad unterwegs zu sein.



Um kurz vor 12.30 Uhr trafen wir dann in Bretten ein. Ich wollte es mir nicht nehmen lassen, mit allen noch kurz über den Marktplatz zu fahren, um auch ein bisschen Marathonstimmung aufkommen zu lassen. Der Marktplatz ist am Ende des Radmarathons normalerweise immer das Ziel. Dort erwartet uns regelmäßig der Brettener Fanfarenzug, der diesmal und zu so früher Sunde aber sicherlich anderweitig aktiv war 😉😉. Am technischen Rathaus der Stadt Bretten eingetroffen, war bereits alles für die 2 Stunden dauernde Friedenskundgebung vorbereitet.


Die Radgruppen aus den verschiedenen Startorten trafen so langsam ein und der Platz füllte sich nach und nach. Natürlich unter Einhaltung der geforderten Hygienemaßnahmen. Es war wie immer wunderbar, die vielen bekannten Gesichter zu sehen, wenn auch dieses Treffen der Pacemakersfamilie nicht in der üblichen Weise stattfand. Mit einer tollen Begrüßung begann Roland Blach pünktlich um 13 Uhr die Veranstaltung.





Die zwei Stunden dauernde Kundgebung war gefüllt mit vielen Reden und Aktivitäten (Grußworte, Friedensappelle, Ehrungen, einer Verlosung für den Marathon 2021, etc. pp.), begleitet durch wunderbare Musik. Unsere Friedensbotschaft war auch diesmal allgegenwärtig, obwohl wir nicht auf der gewohnten 338-er Friedensschleife unterwegs waren. Ein sehr leckeres Essen, wie man es von den Pacemakers gewohnt ist, gab es natürlich auch.






Am Ende dieser tollen Friedensveranstaltung kam ganz kurz doch noch wahrhaftiges Marathonflair auf. Alle noch anwesenden RadsportlerInnen inkl. unserer Hedi drehten gemeinsam innerhalb von Bretten eine vorher festgelegte und genehmigte Runde von 3,38 Kilometern. Hedi und Sascha unser hauptverantwortlicher Guide führten die Gruppe an. Balle´s, der Mann mit dem geilsten Rad im Peloton (ihr erinnert euch an meinen Bericht aus dem Jahr 2019) und ich ließen es uns nicht nehmen, wie im letzten Jahr wieder am Ende des Feldes zu fahren.




Wieder am Kundgebungsort angekommen, war der offizielle Teil nun beendet. Alle verabschiedeten sich von einander und wünschten sich noch einen schönen restlichen Radsportsommer mit viel Hoffnung auf ein gewohntes Wiedersehen im August 2021. Wie die anderen Guides machte ich mich mit meiner etwas kleiner gewordenen Gruppe auch auf den Rückweg. Die schnellen Jungs vom RSC Wiesloch waren schon etwas früher gen Heimat aufgebrochen. Auf den restlichen ca. 52 km unserer Tour rollten wir noch durch einige malerische, kraichgautypische Gegenden wieder zurück nach Hoffenheim.


In Hoffenheim angekommen, war die Friedensfahrt für Christian, Andreas und mich beendet. Stefan verabschiedete sich schon einige Zeit vorher in Richtung Bad Schönborn. Der Rest der Gruppe musste noch bis Neckargemünd bzw. Heidelberg weiterfahren. Mein Garmin zeigte final eine gefahrene Strecke von 178,59 Kilometern an. Obwohl da noch einiges fehlt bis zu 338 Kilometern, war die diesmal etwas kürzere Runde für mich völlig ausreichend.


Auch wenn wir im Jahr 2020 nicht in gewohnter Form für Frieden und gegen Atomwaffen radsportlich unterwegs waren:

Frieden war, ist und bleibt auch in Zukunft der Weg!

Am Ende meiner Ausführungen möchte ich wie immer natürlich noch allen Beteiligten aus dem Organisationsteam und den Helfern Danke sagen. Ihr wart wie gewohnt großartig, mit 100 % Herzblut dabei und habt deshalb erneut meinen größten Respekt!!!!

Ein ganz besonderer Dank geht selbstverständlich auch wieder an unseren Mr. Pacemakers Roland Blach, ohne dessen seeeehr langen Atem vieles so nicht machbar wäre.

Danke an die Stadt Bretten für die großartige Unterstützung trotz ungewöhnlicher Gegebenheiten.

Danke an meine Tempomacher vom RSC Wiesloch.

Und 1000 Dank an alle Radsportlerinnen und Radsportler, die den Pacemakers auch in diesen etwas anderen Zeiten die Treue hielten und durch ihre Anwesenheit einmal mehr zum Ausdruck brachten, wie wichtig der Frieden auf Erden ist.

Detaillierte Informationen zu den Pacemakers und ihren Radsportveranstaltungen sowie anderen Aktionen für Frieden und Abrüstung findet ihr wie immer auf www.pace-makers.de.

Kette rechts

Reiner


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